Vier quadratische Bilder nebeneinander auf schwarzem Untergrund. Von links: kahler Baum, zwei sich kreuzende Zebrastreifen farblich harmonierend in blau und grau, eine wie ein A aussehende Schlammspur, eine Straßenflucht im Flachland, beide auch farblich harmonierdend mit rötlicher Fehlfarbe.

Die QQlka-Wahl und andere Shopgedanken

Als ich vor einem Jahr damit begonnen habe, diesen Shop aufzusetzen und  mit Kunstwerken zu befüttern, war mir nicht bewusst, wohin sich die Sache bewegen wird. Oder besser gesagt, ich verwirklichte erst einmal das, was wohl alle Shopbetreiber, ob Internet oder Marktstand, ob Kaufhaus oder kleiner Laden in Fußgängerzone verwirklichen, wenn sie sich in die Öffentlichkeit begeben: eine Plattform zur Darstellung und Auspreisung von Produkten. Und selbst die Bedeutung und Kraft dieses Hauptnutzens, wurde mir nach einigen Monaten klar, der Akt, Gegenstände mit Preisen zu versehen und sie so zur Handelsware zu machen, war mir nicht von Anfang an bewusst. Es ist mit der Kunst wie mit dem Beruf – ich bin wohl ein schräger Typ, der etwas anders denkt als die meisten anderen Menschen – vermutlich höre ich während des Arbeitens an einer Sache damit auf, die Sache zu definieren und konzentriere mich voll und ganz auf den schöpferischen Prozess. Ein Fluch und ein Segen zugleich. Der Segen: Ich tauche ein in die jeweilige Materie, egal, ob ich einen Webserver repariere, einen Bildbearbeitungsprozess mit Shellskripten gliedere, einen Baum fälle, ein Konzeptkunstwerk verwirkliche – es ist völlig egal, woran ich gerade arbeite, ich tue die meisten Dinge ohne Grund, ohne mich selbst darüber zu definieren, ohne sie mit mir und meiner Person zu verknüpfen (vielleicht ist da das Schreiben eine Ausnahme, aber ich glaube, auch beim Schreiben ist es so, dass ich handele und meine Person, die aus der Ich-Perspektive schreibt (so wie gerade jetzt in diesem Text) ist nur Mittel zum Zweck. Werkzeug, das selbst in Erscheinung tritt, ohne ein Ego zu befüttern oder ein Selbstwertgefühl hinter den Kulissen hochzuziehen.

Der reine Mensch, kommt es mir in den Sinn, der der ist, weil er ist und tut was er tut; und das tut, was er tut, ohne sich einen Kopf darum zu machen, ob es ihm selbst etwas bringt, jemand anderem, seinen Mitmenschen, der kein Ego befriedigt oder sonst irgendeinen Grund für sein Handeln hat. Der. Über weite Strecken bin ich beim Arbeiten, woran auch immer, so weit in der Materie, so weit Werkzeug, dass es einfach abläuft. Kein Wunder, dass ich nach der Frage nach meinem Beruf oft ins Trudeln komme. Was Bist Du? Ja, was bin ich? Ich bin.

Schlüpfe mit mir in die Rolle des Onlineshop-Betreibers.

Den Shop aufzusetzen als Definitionsmöglichkeit und als  Wert gebende Institution, rein materiell gesehen, war wichtig, vermute ich. In diesem Shopblog möchte ich einige Blicke hinter die Kulissen geben und zur Selbstdokumentation (nichts anderes als Dokumentation findet ja statt, wenn ich in die riesige Datenbank auf dem Computer gehe und mir nach Gutdünken Bilder heraus suche – die mir gefallen, die meinem ästhetischen Empfinden entsprechen oder die eine Bedeutung haben für mich persönlich – und diese mit einem Preis versehe und sie in eine druckbare Form bringe). (Selbst-)Dokumentation, Werksverzeichnis, Preisauszeichnung. Welch Dreigestirn des Hochkapitals.

Der 11. Januar. Freund QQlkas Geburtstag. Ich rufe ihn an, um ihm zu gratulieren, ihm auf den Zahn zu fühlen, ob er zu Hause ist, ob ich ihn besuchen kann, 120 Kilometer weit weg in Mainz. Er ist zu Hause und weil ich ihm ein Geschenk mitbringen möchte, spiele ich ein Spiel: Sag‘ mir ein Datum letztes Jahr, irgendeins, fordere ich ihn auf. Er stutzt, das hatte ich erwartet, die Leute stutzen bei solchen Aufforderungen immer, anstatt einfach das erstbeste Datum zu nennen, das ihnen gerade in den Sinn kommt. Ist es die Angst, sich festzulegen, die Angst einen Fehler zu machen? Oder ist da wirklich kein Zufallsdatum in ihren Gedanken? Da ich das erwartet hatte, schlage ich vor, ich denke mir ein Datum aus und du auch. Mein Hirn denkt 17. August. Seins, verrät er mir, denkt 12. August. Gut so. Damit können wir arbeiten. Also hole ich die Dailies vom 12. und 17. August aus den Kisten, in denen ich ein Exemplar aller Kunstwerke des Jahres 2019 gelagert habe, einen kahlen Baum und eine durch tückische Hipstamatic-Filter rot verbrannte Straße. Und QQlka, als ich ihm erzähle, was ich tue, sagt, da liegen ja der 14. und 15. August mittendrin, also nehme ich auch die Bilder noch mit, damit er sich eins aussuchen kann als Geburtstagsgeschenk.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich es schon merkwürdig finde, wie nahe unsere beiden zufällig in unseren Köpfen entstandenen Daten beieinander liegen.

Vier quadratische Bilder nebeneinander auf schwarzem Untergrund. Von links: kahler Baum, zwei sich kreuzende Zebrastreifen farblich harmonierend in blau und grau, eine wie ein A aussehende Schlammspur, eine Straßenflucht im Flachland, beide auch farblich harmonierdend mit rötlicher Fehlfarbe.
Die QQlka-Auswahl, Zufallskombination der Kunstwerke vom 12., 14., 15. und 17. August 2019.

Auf nach Mainz, auf zum Geburtstag. Die Familie, Bruder, Schwester, Schwägerin und Mops-Hund haben ihn überrascht mit Pizza zum selbst Bauen, ein lustiger Abend, an dessen Ende die vier Bilder nebeneinander auf dem Harmonium im WG-Flur stehen und, was soll ich sagen, das was QQlka sagt, sie passen alle vier bestens zueinander. Das Ergebnis eines Zufalls ist eine Vierer-Serie von Bildern, die sowohl farblich als auch strukturell wie füreinander geschaffen sind. Vielleicht hatte ich sie intuitiv schon im vergangenen August so in den Shop programmiert, vielleicht liegen unserem Handeln, und unserem Festlegen auf Etwas, unbewusste Vorgänge zu Grunde, ich weiß es nicht.

Die Arbeit am Shop, so sehr ich damit geliebäugelt hatte, es mit den täglichen Kunstwerken ab 2020 wieder sein zu lassen, dünkt mich, sollte weitergehen. Nun schreiben wir schon den vierzigsten Tag 2020, das vierzigste Daily-Kunstwerk. Es ist eine Menge Arbeit, die Bilder in die Shopsoftware einzuarbeiten, sie zu verschlagworten, Bildbeschreibungen einzufügen, aber ich glaube, es ist eben genau meine Art: arbeiten, ohne darüber nachzudenken, einfach sein und tun; den Sinn hintanzustellen, mich den Mechanismen und Verstrickungen der Abläufe, die das Leben und unser Schaffen diktieren, hinzugeben.

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